Astronomie, Erlebnissen, Links

Von Lappland ins Dachgeschoss: Polarlichter über Deutschland

Nein, ich werde jetzt nicht über ARTEMIS II und den kommenden Start zum Mond schreiben. Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne etwas hinterher stolpere. Deshalb – auch weil viele vielleicht inzwischen dieses spektakuläre Erlebnis verdrängten – gibt es heute von mir noch einmal einen kleinen Rückblick auf die Polarlichter über Deutschland.

Vom Fuchsfeuer in Lappland zum Himmelsfeuer über Deutschland

Angefangen hat alles mit unserer Reise nach Saariselkä in finnisch Lappland, weit im Norden, mitten im Polarlichtgürtel.

Dort oben, in der Polarnacht ohne sichtbare Sonne aber mit tagelangem Mond und einem Himmel, der das ganze Sternbild-Jahr auf einmal zeigt, durften wir dieses lebendige, dreidimensionale Grün über uns tanzen sehen. Mal als zartes Leuchten, mal als strukturierte Vorhänge im „unsichtbaren Wind“.

All das habe ich in meinem Artikel „Der Himmel über dem Polarkreis – Meine Lappland-Nacht unter Sternen und Nordlichtern“ beschrieben. Und ich habe mich sehr über die positive Resonanz gefreut und war echt sprachlos, völlig unerwartet so kurze Zeit später ein Ähnliches Erlebnis zu Hause zu haben.

Wenn ihr mehr über meine Erlebnisse in Lappland wissen wollt, lest hier:

Aber vergesst nicht zurück zu kommen.

Blindnerd: Polarlichter mit Geschichte, Mythen und „Radio-Aurora“

Besonders gefreut hat mich, dass Gerhard auf Blindnerd meinen Lappland-Bericht aufgegriffen und in einen noch größeren, umfassenderen Rahmen stellte.

In seinem Beitrag „Und wenn man eine Reise tut“ nimmt er die aktuellen Sichtungen über Deutschland und meine Erlebnisse als Startpunkt und spannt den Bogen von der Geschichte der Polarlicht-Forschung über Literatur und Religion bis hin zu Mythen und hörbaren Polarlichtern im Radiobereich.

Dort erfahrt ihr unter anderem,

  • wie der norwegischer Forscher Kristian Birkeland mit waghalsigen Expeditionen unser heutiges Verständnis der Aurora geprägt hat,
  • wie Adalbert Stifter in „Bergkristall“ etwas beschreibt, das eindeutig nach Polarlicht klingt,
  • und warum starke Polarlichter im Kurzwellen- und UKW-Bereich Funkverbindungen stören, aber auch für spannende „Radio-Aurora“ Effekte sorgen.

Wer also von meiner Lappland-Story aus gerne noch tiefer einsteigen möchte – in Geschichte, Mythen, Literatur und Funk – dem lege ich Gerhards Artikel sehr ans Herz.

Zum Lesen des Beitrages hier lang:

Dachgeschoss vs. Lappland: mein persönlicher Vergleich

Während wir in Lappland vor allem Glück mit dem Wetter hatten, war es diesmal das Glück der guten Freunde, die uns auf das Himmelsspektakel aufmerksam machten. Obwohl mich Stefan schon auf die starken Sonnenwinde hingewiesen hatte, war ich eigentlich schon fast im Bett, als via Handy die ersten Fotos bei mir eintrafen. Also haben wir „schnell“ den Blick aus dem Dachgeschoss gewählt.

Was anfangs nur wie die bekannte Lichtglocke über Jena aussah, bildete sich kurze Zeit später zu sehr großflächigen grünen und roten Wolken über der Stadt aus. Dann: eine rote Säule über den Kernbergen, die genauso schnell wieder kleiner wurde und von einem den ganzen Horizont überspannenden grünen Bogen abgelöst wurde. Also auf zur anderen Seite des Zimmers – und auch dort beeindruckende Lichter. So pendelten wir zwischen den geöffneten Fenstern hin und her, um das ganze Spektakel genießen zu können.

Der interessanteste Unterschied für mich:

In Lappland waren die Polarlichter klar abgegrenzt, strukturiert, ständig in sich in Bewegung und über längere Zeit gut zu verfolgen.

Über Jena waren es großflächige, fast „matschige“, rasch erscheinende und wieder verschwindende und dadurch sehr bewegliche Lichter.

Doch beides hatte seinen Reiz: Dort der überwältigende „Wow!“-Moment, hier das Staunen darüber, dass dieses polare Phänomen es überhaupt bis zu unseren Breiten schafft und trotz Lichtverschmutzung so unerwartet deutlich zu sehen ist.

AllSky: wenn der Himmel über Berlin glüht

Während ich also mit der Kamera in der Hand in den Himmel starre, verfolgte Volkers AllSky‑Kamera das Spektakel in Berlin die ganze Nacht über und in alle Richtungen gleichzeitig. In der klaren Nacht hat seine Kamera das Himmelsfeuer über der Hauptstadt wieder einmal eindrucksvoll eingefangen.

Im Zeitraffer sieht man, wie sich die Lichter aus dem Horizont herausschälen, schnell am gesamten Himmel heller werden, wandern und fast ausfransen – Bewegungen, die visuell gar nicht so auffallen. Dabei wurde die Aurora so hell, dass die Aufnahmen der auf Nachtaufnahmen eingestellten AllSky‑Kamea überbelichtet sind.

Seinen Beitrag mit Zeitraffer und Keogramm findet ihr hier:

Ich gestehe: Da ärgere ich mich schon etwas, dass ich mein begonnenes AllSky-Projekt wieder abgebrochen habe. Mal sehen – „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“

Falls ihr noch mehr AllSky-Aufnahmen sehen oder gar selber eine Kamera bauen wollt, verweise ich euch gerne auf das Projekt von Stefan Gotthold

https://allskykamera.space/

Jetzt bin ich neugierig:

Habt ihr die Polarlichter über Deutschland auch gesehen – live, auf Fotos, über eine Kamera oder vielleicht sogar „hörbar“ im Funk?

Schreibt eure Eindrücke gern in die Kommentare oder verlinkt eure Aufnahmen – damit wir dieses Himmelsfeuer gemeinsam noch ein Stück weiter durch die Nacht tragen.

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