Heute ist der Internationale Frauentag – offiziell der „Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“. Während es zu Zeiten der Einführung des Internationalen Frauentags am Beginn des letzten Jahrhunderts vor allem um das Frauenwahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Arbeitsschutz und gegen die doppelte Ausbeutung von Frauen als Arbeiterinnen und Hausfrauen ging, lautet das globale Motto der UN Women „Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls“ und fordert gleiche Rechte, Zugang zur Justiz und Abbau diskriminierender Gesetze für alle Frauen und Mädchen.
Der 8. März war schon auf einigen Blogs oder Podcasts Anlass für besondere Artikel oder Episoden. Erinnern möchte ich hier an die sehr schönen Beiträge von Gerhard
oder Florian
Und natürlich gibt es auch unabhängig vom Frauentag viele Berichte über berühmte Raumfahrerinnen oder in der Astronomie tätige Frauen.
Mir geht es aber heute um die Frauen, die den Astronauten auf ihrem Weg ins All den Rücken freihielten und halten.
Die unsichtbaren Heldinnen der Raumfahrt
Raumfahrt ist – wie viele andere Berufe auch – ein gefährlicher Job. Mit über 300 Tonnen Treibstoff unter dem Hintern ins Vakuum geschossen zu werden, völlig abhängig von Tausenden Einzelteilen, Elektronik und Ingenieurskunst, die alles zusammenhält: Das ist das Heldentum, das man sieht – der Höhepunkt eines langen Weges.
Weniger sichtbar: Die Partnerin daneben, die diesen langen Weg mit gegangen ist.
Die Entscheidung für eine Astronautenlaufbahn ist eine Paar-Entscheidung – mit allen Konsequenzen. Schon die Bewerbung ist ein Vertrauensvotum: „Ich riskiere alles, und du stehst mir bei.“ Niemand weiß wirklich, was auf einen zukommt – die monatelangen Tests, medizinische Untersuchungen, Psychotests, die Auswahl unter Tausenden. Aber klar ist: Die Partnerin muss jeden einzelnen Schritt mit gehen.
Angefangen bei den nächtelangen Selbstzweifeln („Bin ich gut genug?“), den unendlich vielen, langen Wartephasen, den endlosen Vorbereitungen – Psychotraining, Fallschirmspringen, Überlebenstraining in der Arktis. Sie hört zu, wenn er zweifelt. Sie organisiert das Leben zu Hause. Sie feiert jeden kleinen Sieg mit – und baut auf, wenn es Rückschläge gibt.
Und wenn es geschafft ist? Wenn man angenommen wurde, beginnt es erst richtig. Jahrelang wechselnde Ausbildungsorte – Houston, Star City, Köln – bedeuten lange Fernbeziehungen, spontane Reisen um sich doch mal zu sehen, extrem viel Organisationstalent. Die Unsicherheit bleibt: „Schafft er den nächsten Test? Wird der Traum wahr?“
Genau dann braucht man jemanden, der zuhört, der stärkt, der da ist – während die Welt zuschaut und der Starttermin näher rückt. Teamarbeit auf höchstem Niveau – bevor der eigentliche Sternenflug überhaupt beginnt.
Während die Astronauten nun um die Erde kreisen und die Welt (mehr oder weniger interessiert) nach oben schaut, geht der Alltag zu Hause weiter. Doch hinzu kommt das bange Warten – und oft auch das öffentliche Interesse.
Schon die Frauen der Mercury 7-Ära mussten mit diesen Rollen kämpfen. NASA und Medien stilisierten sie zu idealen Hausfrauen und Müttern, die ihre Helden-Ehemänner stützten – ein perfektes traditionelles Frauenbild im Kalten Krieg. Das verstärkte die männliche Heldengeschichte und amerikanische Werte.
Realität: Viele litten unter Ehekrisen, Alkoholproblemen und Öffentlichkeitsdruck. Ihre unsichtbare Rolle war entscheidend – für den Erfolg und das Image des Programms.
Die ABC-Serie „The Astronaut Wives Club“ (2015, nach dem gleichnamigen Buch) soll das anschaulich darstellen.
Und wenn die Katastrophe eintritt?
Denken wir an die Partnerinnen der direkt bei Missionen umgekommenen Astronauten und Kosmonauten – ihre Welt brach zusammen:
- Betty Grissom (Gus) und die anderen Opfer der Apollo 1 Katastrophe – 1967
- Walentina Komarowa (Wladimir) Sojus 1 – 1967
- die Opfer der Sojus 11 Katastrophe (Dobrowolski, Pazajew, Wolkow) – 1971
- June Scobee (Dick) und die anderen Opfer der Challenger Katastrophe – 1986
- …
Mir ist klar: Egal welchen Beruf – hinter (fast) jedem Erfolg steht eine starke Partnerin, ein starker Partner.
Am Internationalen Frauentag danke ich den unsichtbaren Heldinnen der Raumfahrt – sie machten den Sternenflug möglich. Und auch allen anderen Heldinnen, die uns Männern zur Seite stehen!
