Ja, da ist die Zeit schon wieder vorbei. Viel gearbeitet, viel gesehen und jetzt viel zu tun. Aber jetzt ist auch noch etwas Zeit, euch ein wenig von Shanghai zu berichten. Es war überwältigend. Doch gleich vorweg, es sind meine, nur jetzt und hier geltenden Eindrücke und Erlebnisse. Mir ist klar, dass ich nur ein winzigen Bruchteil gesehen habe und jegliche Schlussfolgerungen oder Verallgemeinerungen sehr riskant sind.
Anreise
OK, der Flug war lang und eng. Aber ich habe auch geschlafen und so war es dann ganz erträglich.
Die Einreiseprozedur dauerte schon recht lange. Einreiseformular an kleinen Pulten ausfüllen, Ausweis und Fingerabdrücke am Automaten einlesen und dann ab in die Schlange zu den Beamten. Die Gesundheitskontrolle erfolgte „im Vorbeigehen“. Mütze (wenn vorhanden) ab und Temperaturmessung per Kamera beim Vorwärtsstrebe . Dann die üblichen Zuweisungen in die jeweils „kürzeste“ Schlange an den Warteserpentinen. Anders als die furchtverbreitend autoritären Kollegen an der amerikanischen Grenze waren die Beamten hier stoisch abarbeitend, aber nicht unfreundlich. Nochmals Fingerabdrücke und Foto, ein gründlicher Blick durch den (leeren) Reisepass und einen noch längeren Blick auf den Monitor (ich glaube, ich möchte nicht wissen, was da steht). Ab in die nächste Schlange vor dem Zoll, die aber recht fix ging, solange man nicht nach dem wachsamen Blick eine jungen Beamten heraus gewunken wurde.
Hinter dem Ausgang eine riesige Traube an Abholenden mit ihren Schildern. Auch schon lange nicht mehr so gesehen. Und dazwischen und danach noch wesentlich mehr penetrante Taxi- oder vielmehr Didi-Fahrer (die chinesische Uberversion), die nicht akzeptieren wollen, dass du nicht mit ihnen mitfahren willst.
erste Eindrücke
Bereits auf dem Flughafen fiel mir auf, dass die Dolmetscherfunktion des Smartphones eine Selbstverständlichkeit ist. Vielleicht ist es in touristischen Regionen Deutschlands ja inzwischen auch so, ich habe es aber bisher noch nicht erlebt. Wird das Erlernen von Fremdsprachen vielleicht doch bald unwichtig?
Das Smartphone ist hier eh noch wesentlich präsenter als bei uns. Wenn meine Mutter sich schon immer aufregt, dass „alle“ nur noch auf ihr Handy starren, würde sie hier ausrasten. Der Taxifahrer hatte 3 Handys, auf die er abwechselnd starrte und 2 weitere leere Halterungen. Beim Frühstück, in der U-Bahn, selbst auf den Rollern und Fahrrädern wischen fast alle ständig durch den Bildschirm.
Und natürlich ist es ein absolutes MUSS beim Einkaufen. Essen bestellt, AliPay gestartet, Barcode einscannen lassen oder deren Barcode einscannen und schon ist es bezahlt. Egal ob im Shopping Center, „Tante Emma“ Laden, am Automaten oder am mobilen Verkaufsstand.
Zum Glück ist es mittels eSIM auch hier kein Problem kostengünstig Datentransfer zu haben, ohne die horrenden Auslandstarife der heimatlichen Anbieter in Anspruch zu nehmen. Nur ist es teilweise etwas schwierig ohne Kenntnis der chinesischen Sprache die hier nötigen Apps ausreichend gut zu bedienen. Teilweise sind die Texte (sogar ins Deutsche) übersetzt, oft aber nicht. Und viele Infos und Bezahlungen sind nur via WeChat & Co zu bekommen.

Schon beim ersten Rundgang ums Hotel stellte ich fest, wie ruhig es auf den Straßen war. OK, es war Sonntag, trotzdem fuhren schon einige Autos und noch viel mehr Motorroller rum. Schnell war klar, dass viele der Autos und alle Motorroller elektrisch betrieben sind. Wie mir später berichtet wurde, sind die Verbrennerroller schon vor Jahren aus Shanghai verbannt worden und ‚attraktive‘ Anreize für E-Autos geschaffen worden:
- es wird nur eine begrenzte Anzahl an Nummernschilder für Nicht E-Autos pro Monat ausgegeben
- diese sind bei einem sehr hohe Einstiegsgebot zu ersteigern
- Nummernschilder für E-Autos sind hingegen kostenlos
- Strom für die Autos ist deutlich billiger als Benzin bzw. Diesel
- deutlich billigere Strompreise nach 22 Uhr reduzieren die Kosten nochmals
Natürlich gibt es auch noch die unzähligen Fahrräder, jedoch sind es inzwischen hauptsächlich Leihräder, die überall rum stehen. Auch hier wieder einfach nach dem Barcodeeinlesen freigeschaltet und schon geht es los.

Astronomische Betrachtungen
Sternenhimmel

Wie erwartet, war es auf dem Weg ins Hotel schon immer „dunkel“ und die Beobachtungen am Himmel etwas schwierig. Dabei behinderten dann nicht nur die Lichter der Stadt, sondern auch die hohen Häuser und Bäume am Straßenrand. Ich hatte zwar auch einige Abende mit größeren Wolkenlücken, durch die sogar einzelne Sterne auszumachen waren, aber die Orientierung fiel dann doch sehr schwer. Venus und Jupiter habe ich gesehen, den Rest kann ich nur schätzen.
Den Mond habe ich auf jeden Fall nicht gesehen.
Lichtverschmutzung
Die Menge an Lichtern waren schon enorm. Schon alleine die „normalen“ Beleuchtungen ohne bodengerichtete Orientierung ging in alle möglichen Richtungen.

Die dekorativen Lichter überstrahlen dann aber wirklich alles. (Jedoch muss ich ja leider zugeben, es zu betrachten hatte auch einen gewissen Reiz )




astronomische Sehenswürdigkeiten

Tja, das mit dem Astronomiemuseum war wohl nix. Da hätte ich vor nem Monat reservieren müssen und 2 Stunden mit der Metro durch die Stadt zu fahren (eine Richtung) nur um mir das Gebäude anzusehen, war mir dann doch zu viel.
Und das Shanghai Science and Technology Museum hat halt leider zu. Sicher wäre aber auch hier eine Reservierung notwendig gewesen.
Also hatte ich in astronomischer Hinsicht nur wenig Glück.
weitere Beobachtungen
Shopping
Überwältigend war auch die Anzahl und Größe an Einkaufsmöglichkeiten. Ein Shoppingcenter größer als das andere und alles sehr weiträumig. Natürlich die international bekannten, aber auch viele chinesische Marken, von denen ich vorher noch nie hörte. OK, ich bin da auch absolut kein Experte. Zumindest haben sie kein offensichtliches Problem von „sozialistischer Mangelwirtschaft“. Aber ich habe absolut keine Idee, wer das alles kaufen kann und soll.


Dazu kamen natürlich noch unzählige kleine Läden. Von Lebensmittel über Ramsch zu Fake und noch viel, viel mehr.

Sicherheit
Ich fühlte mich absolut sicher. Die Leute waren alle sehr freundlich und auf keinen Fall rücksichtsloser als anderswo. Der Verkehr auf der Straße war überschaubar und auch den herumwuselnden Roller konnte man aus dem Weg gehen. Die Wege waren relativ gut und die unzähligen Baustellen abgesichert. Auffällig waren die vielen Polizisten, Sicherheitsleute und Kameras.
Verkehr
Wenn ich schreibe „der Verkehr war überschaubar“ meine ich vor allem, dass die Fahrzeuge nicht kreuz und quer fuhren oder Ampeln ignorierten. Das heißt nicht, dass es nicht auch Staus gab und wie lang die waren, kann ich leider (oder zum Glück) nicht sagen. Vielleicht hängt es ja auch mit dem massiven Ausbau an Straßen zusammen. Zweispurig in jede Richtung und eine zusätzliche Spur für Roller von Fahrräder waren fast normal. Und HAUPTstrassen können dann auch mal 8 Spuren und 2 Etagen haben.


Leider habe ich es verpasst die Maglev Linie zu nutzen. Das ist die Transrapidstrecke vom Flughafen in die Stadt. Aber den Umweg wollte ich mit dem Koffer dann doch nicht machen.
So, es gib noch so viel zu berichten. Aber vielleicht baue ich ja noch ein paar Episoden in kommende Beiträge ein. Und wenn ihr Fragen habt, immer her damit 😉

Mein lieber Jens-Uwe,
so, da bist Du also wieder zurück aus dem „Reich der Mitte“.
Dein Reisebericht klingt wirklich spannend. Mich würde vor allem diese
Atmosphäre interessieren, wie sich so eine Stadt anhört, wo quasi alles
elektrisch fährt. Stelle ich mir cool vor.
Es kann gut sein, dass sich Blinde in so einer Stadt überhaupt nicht
alleine und sicher bewegen können.
Andererseits reichen mir hier schon diese verdammten E-Roller und
Leih-Fahrräder, mit denen wir blinden Menschen täglich zu kämpfen haben.
Da wird manchmal die Orientierung sehr erschwert bis unmöglich. Bin
sogar schon drüber gefallen und habe mich verletzt.
Manche Roller geben eine Warnung aus, wenn man sich mit einer bestimmten
App auf dem Smartphone nähert, aber längst nicht alle. Das sollte
dringend Pflicht werden.
Also ehrlich gesagt habe ich auch nicht damit gerechnet, dass Du viel
vom Himmel sehen wirst. Nicht in so einer hellen Stadt.
Schon krass, dass man sich dort für den Besuch im Museum anmelden muss.
Das muss ich aber manchmal auch, wenn es z. B. um eine Spezialführung
für blinde Menschen geht.
Du bist in einem guten Jahr nach China gefahren, denn 2024 steht im
Sternbild des Drachens, der als Glücksbringer angesehen wird.
Du glaubst ja gar nicht, was es alles spannendes rund um den Drachen zu
berichten gibt. Spannendes auch und vor allem für Astrozwerge.
Natürlich hat der blinde Sternenonkel das Anfang des Jahres
zusammengetragen.
Schau mal:
https://blindnerd.de/2024/02/11/ein-chinesischer-gluecksbringer/
Bei mir steht momentan alles im Zeichen meines dreihundertsten Artikels.
Und danach geht ja dann auch schon wieder mein Adventskalender los.
Beste Grüße
Gerhard.