Astronomie, Erlebnissen, Reise

Der Himmel über dem Polarkreis – Meine Lappland‑Nacht unter Sternen und Nordlichtern

Ja, ich weiß – es war lange still hier im Blog. Und ehrlich gesagt kann ich auch diesmal nicht versprechen, dass es künftig regelmäßiger wird. Aber zum Jahreswechsel haben wir so eindrucksvolle Erlebnisse gesammelt, dass ich sie einfach teilen möchte.

Ein lang gehegter Traum ist in Erfüllung gegangen: Wir waren in Lappland, weit im Norden – und haben tatsächlich Polarlichter gesehen. Die ganze Reise war voll mit besonderen Momenten, doch da dies ein astronomischer Blog ist, konzentriere ich mich auf das was am Himmel passierte – Sonne, Mond, Sterne und Polarlichter – und streue zwischendurch ein paar irdische Eindrücke ein.

Hintergrundinformationen

Wir waren in Saariselkä, hoch oben im finnischen Lappland – genauer gesagt auf 68° 25′ nördlicher Breite und 27° 25′ östlicher Länge, rund 250 Kilometer nördlich des Polarkreises (66° 33′).

Eigentlich ist es nur ein kleines Örtchen, eingebettet zwischen sanften Fjällhügeln, Wäldern und weiten Schneeflächen – und doch zählt es zu den nördlichsten bekannten Skigebieten Europas. Im Winter erstrahlt die Landschaft in unzähligen Lichtnuancen zwischen Blau, Rosa und Gold, während die Sonne knapp am Horizont verharrt.

Für uns war Lappland mehr als nur ein Reiseziel – schon lange überlegten wir, wie wir diese Gegend erleben könnten. Hier, wo die Nächte endlos erscheinen und die Luft klar ist, wollten wir erleben, was Polarnacht wirklich bedeutet.

Doch wo die Nacht ist, da ist auch Tag und mit ihr die Sonne. Ihre eigenwillige Bahn am Horizont, ihr ungewöhnliches Licht und ihre seltenen Auftritte machten die Tage hier oben zu etwas ganz Besonderem.

Die Sonne

Tja, war nix mit Sonne. Und das, obwohl der Himmel tagsüber manchmal strahlend blau war. Kein Sonnenaufgang, kein Sonnenuntergang – einfach gar keine Sonne. Zwischen dem 7. Dezember und dem 5. Januar blieb sie unter dem Horizont – in dieser Zeit herrscht hier oben Polarnacht. Wir waren also mittendrin.

Trotzdem war es heller, als ich erwartet hatte. Die bürgerliche Dämmerung dauerte von etwa 9:45 Uhr bis 15:15 Uhr – ungefähr fünfeinhalb Stunden. Erst nur ein schwaches Blau, dann ein fast schon freundliches Licht, und kurz darauf wieder das langsame Verblassen. Es war, als würde der Tag nur kurz Anlauf nehmen, bevor er dann doch erneut in die Dunkelheit sinkt.

Aber diese Stunden hatten es in sich. Die Farben des Himmels waren unglaublich – von tiefem Blau über zartes Rosa bis hin zu leuchtendem Pink. In jeder Himmelsrichtung zeigte sich ein anderes Schauspiel, und zu jeder Uhrzeit veränderte sich der Charakter des Lichts.

Dass es trotz fehlender Sonne so farbenreich war, liegt an der flachen Sonnenbahn. Selbst unter dem Horizont streut das Sonnenlicht in der klaren und trockenen arktischen Luft viel stärker – vor allem die kürzeren, blauen und violetten Wellenlängen. Je flacher die Sonne steht, desto länger legt ihr Licht den Weg durch die Atmosphäre zurück, und desto bunter werden die Übergänge zwischen Tag und Nacht. Hier oben ist der Himmel also nicht einfach nur grau oder dunkel, sondern ein Prisma aus Licht und Zeit.

Wenn die Sonne dann endgültig verschwindet und nur noch das Restlicht am Himmel hängt, übernimmt ihr stiller Begleiter die Bühne – der Mond. Und der zeigte dort oben ein ganz eigenes Gesicht.

Der Mond

Schneelandschaft mit Bäumen mit Vollmond am rosa Himmel
Vollmond

Am 3. 1. 2026 war Vollmond – ganz genau um 11:02 Uhr unserer Zeit. Wir standen da oben in Lappland und konnten ihn – anders als zu Hause – tatsächlich mitten am Tag sehen. Der Mond begleitete uns nicht nur am Abendhimmel, sondern teilweise den ganzen Tag über, wie ein heller, stiller Beobachter der winterlichen Landschaft.

Rund um die Zeit des Vollmondes stand er viele Stunden über dem Horizont: Am 30. 12. 2025 ging der Mond am späten Vormittag auf und tauchte erst am 5. 1. 2026 um die Mittagszeit wieder unter. Das wirkt zunächst ungewohnt, hat aber einen einfachen Hintergrund: In dieser Jahreszeit verläuft die scheinbare Bahn des Mondes – genau wie die der Sonne – sehr flach über dem Horizont, nur eben versetzt. Dadurch kann er lange oberhalb der Landschaft „entlangschrammen“ und wirkt fast, als wolle er die fehlende Sonne ersetzen.

Panoramaaufnahme einer Schneelandschaft mit kleinem Vollmond auf linken Seite und hellen Wolken in der Mitte
Panoramaaufnahme am 3.1.2026 12:15 Uhr mit Vollmond links

Der Vollmond machte die langen Nächte deutlich heller, was beim Laufen über verschneite Wege sehr praktisch war – für die Polarlichtsuche aber nicht ideal, denn das helle Mondlicht überstrahlt die schwächeren Strukturen am Himmel. Trotzdem hatte das seine eigene Magie: Schnee, Wälder und Hügel waren mit glitzerndem Puder überzogen und die Bäume, Menschen, einfach alle warf lange Schatten, obwohl es „Nacht“ war.

Besonders eindrucksvoll waren die Halos um den Mond. Immer wieder zog ein dünner, teilweise unsichtbarer Schleier aus hohen Eiswolken am Himmel, und erzeugte einen leuchtenden Ring um den Mond – ein klassischer 22‑Grad‑Halo. Entstehen kann er, wenn Mondlicht auf unzählige winzige Eiskristalle in großen Höhen trifft; das Licht wird in den sechseckigen Kristallen gebrochen und in einem bestimmten Winkel wieder ausgegeben, sodass am Himmel ein Kreis sichtbar wird. Selbst der leicht rötliche Innenrand war erkennbar.

überbelichteter Mond am diesigen Himmel mit hellem Kreis um ihn herum
Mond mit Halo

Sternbilder

Am Anfang war ich ehrlich gesagt irritiert. Am Abendhimmel tauchte eine mir aus dem Sommer vertraute Anordnung von vier Sternen auf. Der durch Mondlicht und Schneereflexion sehr helle Himmel machte es nicht einfacher, aber nach einigem Grübeln war ich mir sicher: Das musste der Schwan sein – ein typisches Sommersternbild unserer Breiten.

Später gelang es mir sogar, noch mehr „alte Bekannte“ zu entdecken: das Frühlingssternbild Löwe, die Sommersternbilder Schwan und Leier und die Wintersternbilder Orion, Fuhrmann und Zwillinge – alle gleichzeitig in einer Nacht. Was zu Hause übers Jahr verteilt ist, versammelte sich hier oben über Lappland in einem einzigen großen Himmelsrundgang.

Der Grund dafür liegt in der geografischen Breite. So weit im Norden steht der Himmelsnordpol deutlich höher über dem Horizont, und viele Sterne sind dort zirkumpolar – sie gehen also gar nicht mehr unter, sondern ziehen flache Kreise um den Nordstern. Dadurch erscheinen uns vertraute Sternbilder verschoben, gedreht oder in ungewohnten Höhen. Einige tauchen nur kurz knapp über dem Horizont auf, andere halten sich die ganze Nacht hartnäckig am Himmel.

Gleichzeitig ist die Nacht im Winter lang genug, dass Sternbilder sichtbar werden, die bei uns eher typischerweise zu verschiedenen Jahreszeiten zu sehen sind. Der Himmel wirkt dadurch wie eine komprimierte Version des ganzen Jahres: ein Stück Frühling im Osten, ein Rest Sommer im Nordwesten, dazu der volle Winterhimmel im Süden und Südosten – alles in einer einzigen Polarnacht.

Polarlichter

Aber ganz ehrlich, die Polarlichter waren das Highlight. Auch wenn Schneemobiltour, Huskyschlittenfahrt, Schneeschuhwanderung und die Rentierfarm ihren ganz eigenen, besonderen Charme hatten und wir die Sichtung von Polarlichtern von vornherein als Add‑on betrachteten – die Wettervorhersage meldete 100 % Bewölkung, und der Vollmond war auch nicht hilfreich – war der Anblick dieses Naturspektakels umwerfend.​

Schon am ersten Abend konnten wir mit Hilfe des Handys die ersten schwach leuchtenden Polarlichter ausmachen. Später machte uns die Kombination aus Wolken und eher pessimistischer Aurora‑App einen Strich durch die Rechnung, und selbst bei den Nordlichtsafaris mit Bus oder Schneemobilschlitten hatten wir kein Glück. Wenn andere Miturlauber am Frühstückstisch dann doch von nächtlichen Sichtungen erzählten, war das schon ein bisschen frustrierend – auch wenn wir uns nichts anmerken ließen.​

In der Neujahrnacht sollte es dann endlich sein. Während das Feuerwerk unten im Ort wunderschöne Farbspiele im tieferliegenden Nebel zauberte, blieb über uns der Himmel dunkel. Diesmal wollten wir nicht wieder zu früh ins Bett gehen. Also zogen wir erneut den schützenden Overall über die Winterkleidung und stellten uns in die etwa −12 °C kalte Nacht. Da – eine grünlich schimmernde Wolke. Ganz langsam wurde sie deutlicher, größer, intensiver. Wir probierten alle möglichen Handyeinstellungen aus, bis klar war, dass die Hände besser in den Handschuhen bleiben und die Augen die besten Bilder machen.

Wir waren glücklich, ohne zu ahnen, was noch kommen sollte. Zwei Tage später, nach einer faszinierenden Huskyschlittentour, wollte ich mich mit Hilfe des Großen Wagens orientieren – und direkt unter ihm zog sich ein grünes Lichtband über den Himmel. Es kündigte an, dass diese Nacht noch viel spannender werden würde.

Wieder im Hotel angekommen hatte sich das Band verschoben und formte einen breiten Bogen, aus dem sich langsam fast einem Herz gestaltete. Doch trotzdem – und weil der Effekt wieder schwächer wurde – war erstmal war aufwärmen und Abendessen angesagt, um anschließend gleich wieder Ausschau zu halten.

Und kaum aus dem Restaurant getreten, schwebte über den Hütten die nächste grüne Wolke. Schnell weitere Gäste hinzugeholt und das Spektakel gemeinsam zu genießen. Mit der Zeit wurde aus der Wolke ein breites Band, das quer über den Himmel zog. Erst lag es ruhig, fast unbeweglich, dann begann es, sich zu verändern: Stellen wurden heller, andere dunkler, der Bogen wanderte, wölbte sich, zog sich wieder zusammen. Je länger wir schauten, desto mehr fiel die Bewegung auf. Das Polarlicht schien nie wirklich still zu stehen – es pulsierte, flackerte leicht, dehnte sich in eine Richtung, zog sich in einer anderen wieder zurück. Es war schwer, den Blick festzuhalten, weil sich immer irgendwo etwas veränderte. Kaum hatte man eine Struktur „verstanden“, löste sie sich schon wieder auf und wurde durch eine neue ersetzt.

Dort, wo das Licht am intensivsten war, wirkten die Strukturen wie feine Vorhänge, die in unsichtbarem Wind wehen. Und schon bald zogen großflächige Strukturen über unseren Köpfen in den verschiedensten Farben. Sie verformten sich und verschwanden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Nicht mehr nur ein schwaches, sich leicht veränderndes Leuchten. Nein, über uns schwebte ein sich rasch verwandelndes, dreidimensionales Schauspiel aus Licht und Farbe. Und unten aufgeregt jauchzende, lachende und staunende Menschen, die das Spektakel bewunderten.

Zwischendurch legten wir die Handys ganz bewusst weg und ich mich in den Schnee. Es war klar, während die schwachen Lichter nur durch das Handy erkannt wurden, war dieses Naturwunder nur mit den Augen erfassbar.

bogenförmiges grünes Polarlicht das ich im Schnee liegend beobachte
einfach mal genießen

Nach ungefähr 30 Minuten ließ die Intensität nach und die fast -20°C ließen uns fröstelnd, aber glücklich auf Zimmer gehen.

Polarlichter sind im Grunde sichtbare Folgen eines „Sturms“ von Teilchen, den die Sonne ständig ins All schickt. Diese geladenen Teilchen werden vom Magnetfeld der Erde in Richtung Pole gelenkt. Trifft dieser Strom in großer Höhe auf die Atmosphäre, bringen die Teilchen die dort befindlichen Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten – so entstehen die typischen grünen, manchmal auch roten und violetten Schleier am Himmel.

Lappland liegt mitten im sogenannten Polarlichtgürtel, einer Zone rund um den magnetischen Nordpol, in der die unsichtbaren Teilchenströme der Sonne besonders häufig auf die Atmosphäre treffen. Deshalb haben die Menschen hier im Winter an vielen Nächten die Chance auf Nordlichter – ganz anders als weiter südlich, wo sie nur bei besonders starker Sonnenaktivität zu sehen sind.

Aber, die einen erzählen so, die anderen so. Für die Finnen handelt es sich hierbei um „Revontulet“ – Fuchsfeuer. Denn ein Fuchs rennt durch den tiefen Schnee des Nordens. Sein Schwanz wirbelt dabei Funken und Eiskristalle nach oben, und dort am Himmel werden daraus die leuchtenden Bögen und Schleier. Soll jeder selber entscheiden, was ihm besser gefällt.

Abschluss

Lappland hat mir gezeigt, wie anders vertraute Himmelsobjekte wirken können, wenn sich der Ort ändert: Die Sonne, die es gar nicht über den Horizont schafft, der Mond, der nicht nur die Nächte in silbernes Licht taucht, Sternbilder, die plötzlich in ungewöhnlichen Höhen stehen, und darüber das lebendige Grün der Polarlichter. Der Himmel war derselbe wie zu Hause – und doch ein völlig anderer.

Zurückgekehrt in den Alltag, bleiben vor allem diese Bilder im Kopf: das leise Knirschen des Schnees, die klare, trockene Kälte und der hoffnungsvolle Blick nach oben. Vielleicht vergehen wieder ein paar Wochen, bis es hier im Blog Neues gibt. Aber eines ist sicher: Der nächste Traum unter einem besonderen Himmel wartet bestimmt schon.

Wer von euch hat schon einmal den Himmel so weit oben genossen? Lappland, Island, Norwegen oder vielleicht noch weiter nördlich? Welche Sternbilder haben euch überrascht, welche Polarlichter waren euer Highlight? Ich bin gespannt auf eure Erlebnisse – lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

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