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Auf den Spuren Galileo Galilei

Gleich vorweg, wir haben es uns nicht leicht gemacht, aber etliche Gründe sprachen dafür, dass eine Reise in die Toskana in den Herbstferien möglich ist. Zu dem Zeitpunkt war es noch kein Corona-Risikogebiet; das wurde es erst, als wir dort waren und zu Hause die kritische Marke auch übersprungen wurde.

Auch wenn wir nicht wegen Galilei in die Toskana reisten, trafen wir doch immer wieder auf Spuren des italienischen Universalgelehrten und so nehmen wir euch heute mit auf unsere Reise und besuchen gemeinsam Standorte des italienischen Astronomen.


Galileo Galilei wurde 1564 in Pisa geboren.
Bereits Galileis Vater – ein Tuchhändler, Musiker und Komponist- hatte mathematische Interessen und untersuchte unter anderem den Klang schwingender Saiten.

Wir waren nur recht kurz in Pisa und haben dort den Turm und die Kathedrale lediglich von außen besichtigt. Welche „Fußabdrücke“ Galileis hier dargestellt werden haben wir auch nicht weiter verfolgt. Natürlich ist das Gebiet um den Turm und die Kathedrale touristisch sehr erschlossen und wir fuhren lieber noch zur Küste und genossen den Sonnenuntergang.

Blick von Livorno auf Gorgona Scalo

Einige Jahre später zogen die Familie nach Florenz und Galileo wurde im Kloster erzogen.

Florenz war unser Hauptstützpunkt. Eine recht schöne und lebhafte Stadt umgeben von grünen Hügeln. Viele Gebäude aus dem Mittelalter, weniger aus der römischen Epoche. Und natürlich ganz viel Kunst.

Blick vom Dom in Florenz

Ab 1581 studierte er Medizin in Pisa, brach das aber nach 4 Jahren ab, um in Florenz Mathematik zu studieren.

Nach 1589 war Galilei für drei Jahre Mathematiklehrer an der Universität Pisa. Während der Zeit entwickelte er auch Thermometer, untersuchte die Pendelbewegung und Fallgesetze der schiefen Ebene.

Das Museo Galileo in Florenz ist ein Museum zur italienischen Wissenschaftsgeschichte, in dem verschiedenste wissenschaftliche Ausstellungsstücke gezeigt werden. Es behandelt dabei jedoch Galileo nur im begrenzten Umfang, stellt aber sehr anschaulich die wissenschaftlichen Arbeiten verschiedener Epochen dar. Die „Experimentierstationen“ waren coronabedingt jedoch leider geschlossen.

Sehr beeindruckend fand ich, wie viel -auch gestalterischer- Aufwand damals in die Experimente gesteckt wurde. Aber sicher ist das auch einer sehr zurückblickenden Sichtweise geschuldet. Auch wenn ähnliche Experimente heute wesentlich einfacher sogar in der Schule durchgeführt werden, dienten sie damals sicher auch der Darstellung der eigenen Fähig- und Möglichkeiten.

1592 ging er für 18 Jahre an die Universität Padua und lehrte auch dort Mathematik.

In Padua waren wir jedoch nicht 😉

1609 hörte Galilei von dem kurz zuvor in Holland erfundenem Fernrohr. Er kaufte sich Linsen und baute sich selber eins mit ungefähr vierfacher Vergrößerung. Im Sommer des Jahres führte Galilei sein Instrument unter Hervorhebung der militärischer Anwendung der venezianischen Regierung vor.

verschiedenste alte Telskope
Sammlung von Teleskopen im Museo Galileo

Schon bald schliff er selber Linsen für sein Teleskop, richtete es in den Nachthimmel und bemerkte unter anderem

  • die rauhe Oberfläche des Mondes,
  • dass Planeten im Teleskop nicht mehr nur Punkte sind,
  • die vier größten Monde des Jupiter,
  • dass die Milchstraße eine Ansammlung von Sternen ist.

„Seine Teleskope“ sind mir gar nicht aufgefallen, aber zumindest eines seiner früheren muss wohl auch im Museum gewesen sein, zumindest ist es online abgebildet und beschrieben.

Aber wir hatten so gutes Wetter selber am Abendhimmel Mars, Saturn, Jupiter und den zunehmenden Mond genießen zu können.

Cosimo II. de’ Medici, der zeitweise ein Schüler Galieis und inzwischen Großherzog der Toskana war, ernannte ihn im Herbst 1610 zum Hofmathematiker, Hofphilosophen und Mathematikprofessor ohne jede Lehrverpflichtung in Pisa. Dadurch hatte er alle Möglichkeiten sich voll auf seine Forschungen zu konzentrieren.

großes gelbes Gebäude mit Florenz im Hintergrund
Palazzo Pitti, der Palast der Familie Medici

1611 besuchte Galilei Rom und präsentierte auch dort seine Entdeckungen.

Petersdom in Rom (2015)

In Rom waren wir bereits 2015, damals trafen wir jedoch nicht auf Spuren von Galilei.

Galilei, der ein Anhänger des heliozentrische Weltbild von Kopernikus war, erkannte, dass seine Entdeckungen dieses erklären, es aber nicht beweisen können. Die Beobachtungen wären auch möglich, wenn sich Sonne und Mond um die Erde, die übrigen Planeten aber um die Sonne drehen.

Nun begannen auch die Reibereien mit der Kirche. Galilei fand immer wieder Argumente die gängige Ansichten im aristotelischen Kirchenbild widerlegten.

Sicher war auch eine gehörige Menge an Selbstüberschätzung, Ignoranz und mangelndes diplomatisches Geschick auf der einen Seite und Neid, Geltungsbedürfnis und Machtdarstellung auf der anderen Seite dabei. Aber das es lässt sich aus der heutigen Sicht leicht sagen; mit Sicherheit war der Spagat zwischen überzeugender Selbstdarstellung und Eingehen auf die Signale von außen zur damaligen nicht einfach.

Säule vor der Basilika Santa Maria sopra Minerva in Rom. In dem Dominikanerkloster neben dieser fand die Verhandlung statt.

1632 erschien Galileis Werk „Dialogo“ über das ptolemäische und das kopernikanische Weltsystem. Dies schrieb er nicht wie üblich in der Wissenschaftssprache Latein sondern auf Italienisch. Außerdem erwähnte er dabei nicht mal das (von vielen kirchlichen Würdenträgern bevorzugte) Planetenmodell des Tycho Brahe.

Da er dabei sich über Meinungen und Auflagen des Papstes lustig machte, fand am 22. Juni 1633 der Prozess statt. Zunächst leugnete Galilei das kopernikanische System gelehrt zu haben. Aber erst nachdem er „seiner Darstellung“ deutlichst widersprach, wurde er zu lebenslanger Kerkerhaft und somit nicht dem Scheiterhaufen verurteilt.

Beim Durchblättern der Aufnahmen unserer Romfotos, stellte ich fest, dass wir ganz in der Nähe des Prozessortes waren. Damals kam es mir aber nicht in den Sinn, diesen mit Galieo in Verbindung zu bringen.

Im Dezember 1633 durfte er nach Florenz ins Hausarrest zurückkehren und dort jedoch keine Lehrtätigkeit mehr ausüben oder Veröffentlichungen tätigen.

Galilei starb am 8. Januar 1642 (nach dem gregorianischen Kalender) in der Nähe von Florenz. Das vom Großherzog geplante feierliches Begräbnis wurde nicht erlaubt. Deshalb wurde anonym in Santa Croce -einer Kirche gleich neben der Basilika- beigesetzt. 30 Jahre später wurde das Grab beschriftet.

Sein Grab wollte ich mir nun nicht unbedingt ansehen. Finger seiner rechten Hand haben da völlig ausgereicht 😉

Obwohl wir ziemlich in der Nähe unterkamen, haben wir es leider nicht geschafft seine Villa zu besuchen. Ganz in der Nähe befindet sich heute das Arcetri-Observatorium .

Mal sehen, vielleicht schaffen wir es ja noch mal in die Toskana, dann haben wir zumindest noch etwas mehr auf der Besucherliste.

3 Gedanken zu „Auf den Spuren Galileo Galilei“

  1. Vielen Dank für die positive Rückmeldung. Hab mich etwas schwer getan, da da diese Idee war beides zu verbinden, aber es dann doch etwas schwieriger war, die Details mit den Erlebnissen und Fotos darzustellen.

  2. Ein sehr schöner und umfangreicher Bericht. Den werde ich gleich mal an meine bessere Hälfte weiterleiten. Sie liest solche Berichte gerade auch mit historischem Bezug sehr gerne.

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