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#SocialDistancing beim Sentinel-6A Satellitenstart

Noch

2020-11-21T18:17:00

  Tage

  Stunden  Minuten  Sekunden

bis

zum Start von Sentinel-6A

Klimaveränderung =

  • zunehmend extremere Wettererscheinungen
  • schmelzende Eismassen
  • steigende Meeresspiegel

Aber was heißt das für uns? Und was bedeutet das zum Beispiel für die 600 Millionen Menschen, die in Küstennähe leben? Welche Auswirkungen hat es auf die , die von und mit dem Meer leben?

Bereits Europa mit einer Küstenlinie von mehr als 100 000 km Länge hat etliche große, dicht besiedelte und somit für Überflutungen anfällige Küstengebiete. Wie extrem sind erst die Auswirkungen für all die kleinen Inseln und Auswirkungen in der ganzen Welt?

In Boston gibt es im Hafen in der Nähe vom New England Aquarium Schautafeln, die die Auswirkungen auf die Stadt haben wird.

Schautafel mit markierten Bereichen der Stadt Boston, die 2100 überflutet sein wird

Bereits seit 1992 werden satellitengestützt Messungen der Meeresspiegelhöhe durchgeführt. Aus den Messergebnissen haben Wissenschaftler ermittelt, dass der Meeresspiegels jährlicher um 3 mm ansteigt und es zeigt sich, dass dieser Wert sogar weiter zunimmt. Das sind fast 10 cm!!!

Die ersten Werte lieferte der französisch-amerikanische TOPEX/Poseidon Satellit. Der wurde von den Satelliten Jason 1, dann Jason 2 und nun Jason 3 abgelöst. Inzwischen in die Jahre gekommen soll dieser jetzt durch einen neuen Satelliten aus dem Copernicus-Programm ergänzt und später ersetzt werden. Aus diesem Grund ist die Mission auch unter dem Namen Jason-CS zu finden, wobei CS für Continuity of Service, also Kontinuität des Dienstes steht. Zusammen mit seinem 2025 startenden Bruder Sentinel-6B ist so die Datenerfassung bis 2030 gesichert.

Und was als französisch-amerikanisches Projekt begann, ist nun eine fruchtbare und einzigartige Zusammenarbeit zwischen ESA, NASA, Eumetsat ( der Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) und NOAA (der Wetter- und Ozeanografie­behörde der USA) mit einem Beitrag der französischen Raumfahrtbehörde CNES.

Die Mission

Sentinel-6 soll die Ozeane der Welt permanent beobachten, kartieren, vermessen und überwachen. Dabei wird die

  • Höhe der Meeresoberfläche 
  • signifikante Wellenhöhe
  • Windgeschwindigkeit

erfasst und dadurch exakt die globale Meeresspiegeländerung und die Änderung des Seegangs berechenbar. Zu Ergänzung der Werte werden auch die Daten der Sentinel-3-Altimeter herangezogen. Die Berechnungen ermöglichen genauere Klimastudien, damit wir die langfristigen Ursachen und Folgen der Klimaerwärmung besser verstehen und mildern können. Aber auch für den alltägliche Bedarf liefern die Daten wichtige Informationen für die aktuelle Vorhersage von Wetter und Sturmfluten.

Ein zweites Ziel der Mission ist die Erfassung hochaufgelöster vertikaler Temperaturprofile, um Temperaturänderungen in der Troposphäre und Stratosphäre zu bewerten und die Wettervorhersage zu unterstützen.

So ergeben sich wichtige Entscheidungsgrundlagen für die Politik für den direkten Schutz von über zehn Prozent der Weltbevölkerung, die in einem Gebiet leben, das sich nur weniger als zehn Meter über dem Meeresspiegel erhebt.

Der Satelit Sentinel-6A „Michael Freilich“

Dieses 1,5 t schwere Raumfahrzeug, benannt nach Michael H. Freilich, dem ehemaligen Direktor der NASA-Erdbeobachtungsabteilung baut auf der Plattform der CryoSat-Mission auf und wird von Airbus Defence and Space gebaut.

Um wie seine Vorgänger, alle zehn Tage 95 % der eisfreien Ozeane kartieren zu können fliegt er in einer polare Umlaufbahn in etwa 1300 km Höhe über der Erde .

Zu seinen Instrumenten gehören:

Poseidon-4 Radar Höhenmesser

Dieser durch die ESA entwickelte Höhenmesser ist präziser und stabiler als seine Vorgänger der Jason-Mission. Außerdem hat er wie die Instrumente der CryoSat und Copernicus Sentinel-3 Satelliten einen speziellen Radarmodus, der eine Kombination hoher und niedriger Auflösung ermöglicht.

Die hohe Auflösung ermöglicht eine räumliche Auflösung von nur 300 m (im Vergleich mehreren Kilometern früher) und ist somit in der Lage, die Höhe der Meeresoberfläche präziser zu messen.

Die niedrige Auflösung gewährleistet die Kompatibilität und Vergleichbarkeit mit früheren Missionen.

Mikrowellen Radiometer

Dieses Strahlungsmessgerät der NASA berücksichtigt den Wasserdampf in der Atmosphäre. Da dieser die Geschwindigkeit der Radarimpulse beeinflusst, ist die Messung für die genaue Abschätzung der Meeresoberflächenhöhe sehr wichtig.

ASTRO APS

Bild des Sensors in der Fertigung mit Monteur © Jena-Optronik GmbH

Weiterhin befinden sich 3 autonome Sternsensoren der Jenaer Firma Jena-Optronik GmbH zur Lageregelung des Satelliten an Board des Satelliten.

Der Sensor hat durch die verwendete CMOS-Technologie eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber der harten kosmischen Strahlung. Außerdem arbeitet er in einem erweiterten Temperaturbereich von -30 Grad Celsius bis +60 Grad Celsius sehr zuverlässig.

Bild: (c) JenaOptronik GmbH

Optik und Elektronik befinden sich in einem einzigen Gehäuse und ermöglichen dadurch minimale Abmessungen, einfache Integration in den Satelliten, niedriges Gewicht und geringen Energieverbrauch.

Der Start

Sentinel-6A soll am 21. November um 18:17 Uhr mit einer Space X Falcon 9-Rakete von Vandenberg (Kalifornien / USA) starten. Nach dem Start und der Trennung von der Rakete erhält die Nordpol-Satellitenstation in Alaska die ersten Signale aus dem Weltraum und das ESOC -Kontrollzentrum der ESA in Darmstadt übernimmt die Kontrolle.

In den nun folgenden 3 Tagen der kritischen „Start- und frühe Orbitphase“ werden die Solarpaneele ausgefahren, der Satellit aktiviert und seine grundlegenden Funktionen getestet. In dieser Zeit wird die ESA-Bodenstation Kiruna das Raumschiff mitverfolgen.

Langsam wird er in die richtige Bahnposition manövriert. Das ist diesmal besonders kompliziert, da der neue Sentinel dicht hinter – also nur 30 Sekunden oder etwa 230 Kilometer- dem Jason-3-Satellit fliegen soll. Während dieses Tandemflugs für 12 Monate, wird nach Artefakten in den Daten gesucht die aufgrund der Instrumente und des Designs des neuen Satelliten entstehen könnten.

So fliegen sie dann „gemeinsam“ in einer der verkehrsreichsten Umlaufbahnen im erdnahen Orbit.

Auch deshalb wird auch das Space Debris Office der ESA in diesen ersten, kritischen Tagen aktiv einbezogen, um herumschwirrenden Weltraumschrott zu überwachen und durch Minimierung des Risikos von Kollisionen eine sichere Mission zu ermöglichen.

Ist diese Position erreicht, übernimmt EUMETSAT, die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten, das Kommando für die Inbetriebnahme, den Routinebetrieb und die Verteilung der Daten der Mission innerhalb Europas übernehmen.

#SociallyDistantSentinerds

So wie die Satelliten in Zeiten der Klimaänderung aus 1300 km Entfernung Meereshöhensänderungen beobachten, verfolgen unzählige #Sentinerds in der ganzen Welt in Zeiten der Coronapandemie den Raketenstart in sicherer Entfernung voneinander.

Eine Übertragung des Starts wird zu sehen sein, bei

Und auch wir werden uns ein gemütliches Plätzchen suchen, den Start beobachten und von unseren Eindrücken auf Twitter berichten. Also, seid alle herzlichst willkommen!

Quellen und Hintergrundinfos:

https://www.esa.int/Applications/Observing_the_Earth/Copernicus/Sentinel-6

https://www.jpl.nasa.gov/news/press_kits/sentinel-6/

Ein Gedanke zu „#SocialDistancing beim Sentinel-6A Satellitenstart“

  1. Welch ein großartig spannender Artikel. Das ist wirklich eine sehr interessante und für die Menschheit ganz wichtige Mission. Beobachten ist halt eine Sache, und sich danach ausrichten, eine andere, was Politik etc. betrifft. Dann hoffe ich, dass ihr das Spektakel gut verfolgen könnt und erwarte mit Spannung eure Tweets.

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