Astronomie

Sorry Matthias, es tut mir leid!

Erstmal entschuldige ich mich natürlich, dass ich hier einfach duze. Aber ganz ehrlich: „Entschuldigen Sie bitte, Herr Dr. Matthias Josef Maurer“ passt einfach nicht in diesen Blog – das klingt mehr nach Behördenschreiben als nach Astrozwerge. Für meine Leserinnen, Leser und Astrozwerge fühlt sich das „Du“ so an, als würdest du mit uns im Stuhlkreis sitzen und selbst von der ISS erzählen. Trotzdem meldet sich in mir jedes Mal eine kleine innere Stimme, die flüstert: „Das ist ein ESA-Astronaut, benimm dich!“. Und da wir bisher weder ein Bier geteilt noch gemeinsam eine Runde Schwerelosigkeit geübt haben, wäre beim nächsten echten Treffen natürlich wieder „Herr Maurer“ angesagt.

Dann muss ich mich auch noch dafür entschuldigen, dass ich dir viel zu lange nicht die gebührende Beachtung geschenkt habe. Ich war einfach zu lange fest im ‚Team Astro_Alex‘ unterwegs. Aber mal ehrlich: Ist das wirklich ein Wunder? Er stand genau in der Zeit im Rampenlicht, in der unsere Blog‑ und Raumfahrtbegeisterung ihren Höhepunkt hatte. Da ging es hier gefühlt nur um Astro_Alex.

Wir haben ihn bei seinem ersten Flug zur ISS begleitet,

ihn über uns entlangfliegen sehen,

uns mit ihm auf seinen zweiten Flug vorbereitet,

sind in der Zeitkapsel dabei, die mit ihm auf der ISS war,

sind mit ihm wieder zur ISS „gestartet“,

haben mit ihm live von der ISS den 40. Jahrestag des ersten Weltraumfluges eines Deutschen gefeiert,

haben ihn 2019 auf der DLR-Raumfahrt-Show in Erfurt gesehen;

und, und, und.

So richtig wahrgenommen habe ich dich vermutlich das erste Mal auf der ILA 2018, bei der ich wegen des Starts von Sentinel‑3 unterwegs war. Plötzlich tauchte da dieser Matthias Maurer auf – aber wer war das? Du gehörtest nicht zur bekannten ESA‑Astronautenklasse von 2008, und Quereinsteiger gibt es in diesem Job ja nun wirklich nicht, also hatte ich offenbar eine Menge verpasst.

Aber OK, es war eine super Veranstaltung …

und Astro bekam sein Astronauten-Autogramm. Könnt ihr es sehen?

Dann startete Alexander Gerst zu seiner zweiten Mission, kurz darauf kamen Corona, Homeoffice und ganz andere Sorgen in unseren Alltag. Ich habe natürlich mitverfolgt, wie du am 11.11.2021 zur ISS gestartet bist – aber es fühlte sich nicht mehr so unbeschwert und intensiv an wie in den Jahren zuvor.

Aber die 84 Sekunden Zusammenfassung ist wirklich sehenswert:

Ich weiß nicht genau, wann es war – lange nach deiner Rückkehr jedenfalls –, aber irgendwann fiel mir dein Buch Cosmic Kiss in der Buchhandlung in die Hände. Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach neuer Raumfahrt-Lektüre, doch plötzlich wollte ich mehr über dich wissen. Beim Durchblättern wurde mir klar, wie viel von deiner Mission und Geschichte mir entgangen war. Also musste das Buch mit.

Cosmic Kiss ist für mich weniger ein klassischer Astronautenbericht als eine eindrucksvolle Reisebeschreibung deines langen Wegs ins All und durch sechs Monate auf der ISS. Mit viel Begeisterung für Wissenschaft und Technik – aber immer verständlich – schilderst du Auswahlverfahren, knallhartes Training und den Arbeitsalltag im Orbit. Das Ganze ist dabei so anschaulich, dass man die Enge der Station und den Blick auf die Erde fast mitfühlt. Besonders stark fand ich, wie offen und ehrlich du deine Ängste, Schwächen und Fehler wiedergibst. Dabei verknüpfst du deine persönlichen Eindrücke sehr authentisch mit großen Themen wie internationaler Zusammenarbeit, Krisen auf der Erde und der Zukunft der Raumfahrt. Man spürt auf jeder Seite deine unbändige Faszination für den Weltraum. Diese Entdeckerfreude steckt beim Lesen sofort an. Die sehr gelungene Auswahl an Fotos rundet die Erzählungen anschaulich ab. Wer sich für Raumfahrt interessiert oder einfach wissen will, wie sich Leben und Arbeiten im All wirklich anfühlen, findet hier eine zugängliche, detailreiche und inspirierende Lektüre.

Nach Cosmic Kiss war ich natürlich neugierig, ob du auch für jüngere Leser:innen schreibst. Und tatsächlich – dein WAS IST WAS: Mission im Weltraum hat mich gleich wieder gepackt. Hier hast du die große Geschichte kindgerecht für Astrozwerge aufbereitet.

„WAS IST WAS: Mission im Weltraum“ fühlt sich für mich an, als hättest du dein ISS-Tagebuch einmal komplett für Nachwuchs-Astronautinnen und -Astronauten aufbereitet. Ein „Herzliche Willkommen“ in der „WG in 400km Höhe“. In locker erzählten Comic-Szenen, Dialogen und Logbucheinträgen nimmst du die AstroZwerge (empfohlenes Alter ab acht Jahren) mit ins All. Vom Raketenstart über das erste Ankommen an Bord bis hin zum Forschungsalltag, den ‚Fast-Begegnungen‘ mit Weltraumschrott, deinem – nicht ganz ungefährlichem – Außenbordeinsatz und der Weihnachtsfeier im All; alles wird detailliert und anschaulich, aber nie langweilig berichtet. Mir persönlich gefällt dabei besonders, wie verständlich du erklärst, was und wie auf der ISS eigentlich erforscht wird. Und ganz nebenbei erfährt man Details aus dem Alltag dort oben. Dabei gibt es hier keine trockene Fakten zum Auswendiglernen. Der Mix aus witzigen, manchmal auch nachdenklichen Comics und sachlich erklärenden Infoseiten funktioniert dabei richtig gut. Man spürt deine Begeisterung für die Raumfahrt, dein Leidenschaft für Teamarbeit und internationale Zusammenarbeit. OK, der Zeichenstil ist nicht so ganz meins, aber das ist Geschmackssache. Trotzdem unterstützen die Illustrationen deines Leben als Astronaut auf der ISS sehr anschaulich den geschriebenen Text. Details werden verständlicher, Empfindungen sichtbarer, Abläufe klarer. Die Fotos am Ende machen die ISS und deine Erlebnisse noch einmal realer – ein Ort, an dem echte Menschen leben, arbeiten, lachen und staunen.“

Sorry Matthias, es tut mir leid! Du hast mich mit deinen Büchern auf dich aufmerksam gemacht und so einen festen Platz in unserem Astrozwerge-Universum erobert. Heute stehen ‚Team AstroAlex‘ und ‚Team Astro_matthias‘ für mich gleichberechtigt nebeneinander in den Startlöchern auf dem Weg zum Mond. Beide seid ihr Kandidaten für die kommenden Artemis-Missionen. Ich würde es euch beiden von Herzen gönnen. Aber egal, wer von euch ‚das Rennen macht‘: Ich weiß, dass ihr die AstroZwerge auf eure Reise mitnehmt und den Weg für die kommende Raumfahrtgeneration vorbereitet. Bis dahin: Danke für die Reise ins All und alles Gute!

Und weil dieser Beitrag genau zum 18. März rauskommt: Alles Gute zum Geburtstag, Matthias – möge dein neues Lebensjahr voller Weltraumträume und guter Gesundheit sein!

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